04 Juni 2007

Exsila-Filmkritik - A Fish Called Wanda


Written by Pavona, offizieller Exsila-Engel

Einstieg

Eine Menschengruppe sitzt auf dem Sofa und hält sich verkrampft die bis aufs äusserste gespannten Bauchmuskeln, mal krümmen sie sich nach vorne nur um dann gleich wieder nach hinten zu wippen. Aus aufgeweichten, roten Augen quellen tränengefüllte Sturzbäche links und rechts die Wangen hinunter, vorbei an einem bis zum Anschlag geöffneten Mund, welcher in einer Pose ewigen Lachens verharrt und dabei mehr oder weniger weisse Beisserchen enthüllt. Doch aus dem geöffneten Mund ertönt weder Lachen noch Weinen, nur ein mitleiderregendes Japsen, das Ringen nach Luft – die gespenstische Stille dieser Szenerie lässt befürchten, dass eine Gruppe Menschen qualvoll erstickt! Weit gefehlt, sie alle sitzen vor der Glotze und schauen „A fish called Wanda“ – wobei die einen oder anderen sicher mit Luftmangel zu kämpfen haben.

Kritik

George Thomason (Tom Georgeson) ist ein britischer Gentlemen mittleren Alters, wie er in den Chroniken des Königshaus beschrieben ist: korrekt und beherrscht aber steif und unflexibel! Weniger königlich ist sein Unterfangen, einen Juwelierladen auszurauben. Für dieses Vorhaben lässt er eine kunterbunte Truppe um sich scharen: Seine undurchsichtige aber clevere Freundin Wanda Gershwitz (Jamie Lee Curtis), Wandas dämlicher, möchtegernintellektueller Bruder Otto West (Kevin Kline) sowie den stotternden, tierliebenden Ken Pile (Michael Palin). Nach erfolgreichem Überfall erfolgt der ebenso erfolgreiche Verrat von Wanda und Otto an George. Dieser wandert in den Knast – mit ihm aber auch das Wissen über den Verbleib der Beute. So lässt Wanda ihre weiblichen Reize spielen und bringt Georges überkorrekten Anwalt Archibald Leach (John Cleese) ein ums andere mal um den Verstand, um ihm das Geheimnis über die versteckte Beute zu entlocken. Und so nimmt die Geschichte ihren turbulenten, höchst amüsanten Verlauf: Otto entpuppt sich als italo-amerikanischer Liebhaber von Wanda und seine Eifersucht auf Archibald nimmt immer groteskere Formen an, während Ken, Vertrauter von George, verzweifelt versucht die einzige Zeugin des Überfalls ins Jenseits zu befördern. Doch die alte Frau mit den drei kleinen Hund erweist sich als „zähe Gegnerin“.

Für mich ist „A fish called Wanda“ auch nach bald 20 Jahren immer noch DIE Mutter aller Komödien – und ich bin wahrscheinlich nicht alleine mit dieser Meinung! Selten hat es ein Darsteller-Enseble geschafft, dass meine Tränensäcke bereits nach einer Stunde den Notruf „Wassermangel“ an die Schaltzentrale senden mussten – nach zwei Stunden waren sie dann endgültig ausgetrocknet. Die herrlich skurrilen Charaktere sind das tragende Element des Filmes, der mit ungewöhnlichen und schwarzhumorigen Szenen geradezu brilliert. Mit dem „Banner der Komik“ an vorderster Front schreitet Kevin Kline, der für seine Darstellung des dümmlichen Oscar sogar mit dem Otto als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde...äh...umgekehrt natürlich! Als machogeschwängerter Möchtegernintellektueller beglückt er uns mit einer mimischen Meisterleistung, wenn er z.B. vergnüglich, vor den entsetzten Augen von Tierliebhaber Ken, die Fische aus dem Aquarium verspeist. Wie immer ist auch John Cleese ein Garant für Lacher: Als konservativer Anwalt Archibald Leach wird er mit der aufreizenden Wanda konfrontiert und sein innerer, verkrampfter Kampf zwischen britischer Verklemmtheit und zügelloser Lust ist einfach nur drollig! Michael Palin (neben John Cleese der zweite „Monty Python“-Mann) als stotternder Ken lässt ebenfalls kein Auge trocken, wenn sein sowieso herrliches Grimassengesicht von sensibler Liebenswürdigkeit zu überschäumender Wut wechselt. Obwohl alle Figuren im Film überzeichnet sind wirkt ihr Handeln ihren Rollen entsprechend immer glaubwürdig, was auch einen Teil des grossen Erfolg des Filmes ausmacht. Der Humor ist typisch britisch, oft abgrundtief schwarz, dann wieder angenehm subtil!
„Ein Fisch namens Wanda“ ist allen Exsilanern zu empfehlen, die mit skurrilem, britischem Humor ihre Freude haben werden. Die Szenen sind teilweise rabenschwarz aber nie geschmacklos, wer sich also wieder einmal knapp zwei Stunden lang einfach nur köstlich amüsieren möchte, liegt mit dieser Komödie ganz bestimmt nicht falsch. Und wer sich den Film reinzieht und mich danach am liebsten mit einer Walze plätten möchte, weil die Lachmuskeln nur bedingt in Anspruch genommen wurden, lege ich folgenden Wortwechsel zwischen Wanda und Otto nahe (bitte nicht böse sein ;-)):

Wanda: Ich habe schon Pullover mit einem höheren IQ gehabt, aber Du denkst, Du bist ein Intellektueller, Du Affe!
Otto: Affen lesen nicht Philosophie-Bücher!
Wanda: Doch Otto, das tun sie, sie verstehen sie bloss nicht!

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