24 Juni 2008

Exsila-Filmkritik - Blade Runner

Written by Pavona, offizieller Exsila-Engel

Einstieg
Harrison Ford turnt zurzeit als Opa Jones über die Kino-Leinwände und lässt dabei seine Peitsche knallen. So nach dem Motto „in Ford we trust“ liessen schon andere Regisseur-Legenden Harrison in actionlastigen Filmen seine sportlichen Fähigkeiten entfalten. Einer dieser Kultregisseure ist Ridley Scott und er schuf ein Science Fiction-Drama, welches bis heute Seinesgleichen sucht: „Blade Runner“! Nebst dem skurrilen Prunkstück „2001: A Space Odyssey“ erreichen nur noch ganz wenige SciFi-Filme die schwermütige, bedrückende Tiefe eines „Blade Runner“.

Kritik
Im Jahr 2019 ist Los Angeles (wohl als Symbol für den Rest der Erde) ein Hort ewigen Dauerregens, ein vekommenes Loch aus heruntergekommenen Viertel und überbevölkerten Strassen. Die Stadt versinkt in einem Sumpf aus Elend, lange Schornsteine überragen die Stadt und paffen schmutzige Luft in das längst eingeschwärzte Himmelszelt, nur das Hauptquartier der Tyrell Corporation überstrahlt als leuchtende Pyramiede das dunkle Anlitz der Stadt. Das Versprechen auf fernen Planeten ein besseres Dasein fristen zu dürfen wird getrübt durch die Tatsache, dass diese Welten von Androiden erschlossen wurden. Diese künstliche Wesen mit emotionaler Entwicklungsfähigkeit, auf vier Jahre beschränkter Lebensdauer und kaum von Menschen zu unterscheidendem Aussehen sind eine Monopolproduktion dieser Tyrell Corporation. So ist diesen sogenannten „Replikanten“ auch auf den Tod verboten, die Erde zu betreten. Immer wieder versuchen aber kleine Gruppen dieser Androiden auf der Erde Fuss zu fassen und werden dann gnadenlos von den „Blade Runnern“ gejagt, einer auf die Replikanten-Jagd spezialisierte Sondereinheit der Polizei. Als eine Gruppe Replikanten der neuesten „Nexus-6“-Generation Menschen töten und auf die Erde gelangen wird der ehemaligen Blade Runner Rick Deckard (Harrison Ford) reaktiviert um die Eindringlinge zu jagen und zu eliminieren (bzw. in den „Ruhestand“ zu befördern). Die dramatische Jagd auf die künstlichen Wesen rufen im knallharten Deckard auf einmal Gefühle des Zweifels betreffend seiner Eliminierungs-Mission hervor und als er sich zudem in eine der Replikantinnen verliebt wird der Jäger auch zum Gejagten.

Mit „Blade Runner“ schuf Ridley Scott fast einen finanziellen Flop, welcher aber im Lauf der Zeit doch noch als ein grossartiges SciFi-Drama erkannt wurde. Die Schwermütigkeit des Filmes ist denn wahrscheinlich auch ausschlaggebend dafür, dass das Drama erst mit der Zeit Kultstatus erreichte – denn „Blade Runner“ ist ganz grosses Kino. Allerdings ist der Film kein Leckerbissen für zwischendurch, die Handlung wird trotz einfacher Ausgangslage (menschlicher Polizist jagt künstliche Eindringlinge) im Laufe der Zeit nachdenklicher, es werden Fragen über Sein und Nicht sein aufgeworfen, religiöse, wissenschaftliche und moralische Gedankenstränge werden in die Handlung eingeflochten und der zu Beginn einfache Plot entwickelt sich zu einer schon fast philosophischen Debatte über die gottspielende Menschheit. Der Film wirkt sehr schwermütig, es regnet die ganze Zeit über, die Gesichter der Menschen sind verzweifelt, die Gespräche fügen sich in den zähflüssigen Menschentross in den Strassen der Stadt ein, die Verzweiflung der Gesellschaft ist in jeder Einstellung hautnah spürbar. Selten hat mich ein Film derart in eine bedrückende Stimmung versetzen können wie Blade Runner! Mit ein Grund für dieses faszinierende Drama sind auch die Schauspieler: Harrison Ford als Rick Deckard spielt die rolle des vorerst gleichgültigen, knallharten Blade Runners brilliant und es ist ohne Wenn und Aber eine, wenn nicht sogar die beste schauspielerische Leistung seiner Karriere. Im gleichen Atemzug möchte ich aber auch Rutger Hauer als Replikant Roy Batty erwähnen, der mit seinen philosophischen, emotionlos-zynischen Gesprächen Harrison Frod jederzeit das Wasser reichen kann. Nebst den kurzen aber eindrucksvollen Actionsequenzen lebt der Film vorallem von den Emotionen, Ängsten und Hoffnungen der Protagonisten wie z.B. auch der Replikantin Rachael (Sean Young), in welche sich Deckard verliebt.
Auch gebe ich noch zwei Empfehlungen ab: Wer gerne ein Happy End geniessen möchte, sollte sich die Original-Kinoversion schauen, wer aber den philosophischen Plott mit einem würdigen Abschluss des Filmes weiterführen möchte, sei der Directors Cut von Ridley Scott ans Herz gelegt. Auch wenn das Happy End in Ordnung geht, für mich entfaltet der Film seine ganze Brillianz erst mit diesem eindrücklichen, nachdenklich stimmenden Directors Cut-Abschluss.


„Balde Runner“ ist aufgrund seiner Dramaturgie, Bildsprache und Tiefgründigkeit eigentlich eine Empfehlung für alle Exsilaner, der Film ist jedoch keine leichte Kost sondern verlangt auch viel Geduld, denn viele Szenen ziehen sich in die Länge. Trotzdem ist „Blade Runner“ einer der Filme, den man halt einfach gesehen haben muss – Kult, Dramatrugie, Spannung, Visuelle Perfektion und dank Vangelis auch ein musikalischer Hörgenuss – ein Film, der auch nach vier Replikanten-Jahren noch in Erinnerung bleibt ☺!

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