10 März 2008

Exsila-Filmkritik - French Connection – Brennpunkt Brooklyn

Written by Pavona, offizieller Exsila-Engel

Einstieg
Ende März zügle ich und natürlich ist das auch immer ein guter Grund, wieder einmal Dinge zu entsorgen, die dank menschlichem Sammelwahn bereits unter einer Schicht noch nicht erforschter Pilzkulturen ein Dasein in Einsamkeit fristen. Die kürzlich freigelegten Gegenstände waren Relikte aus einer beinahe vorsintflutlichen Zeit, als das Wort DVD allenfalls von ein paar mutigen Propheten in den Mund genommen wurde: Ich entdeckte ein paar VHS-Kassetten! Ein Film hat dabei meine besondere Aufmerksamkeit erregt: French Connection! Als dieser Film 1971 das Licht der Kinosäle erblickte war sogar meine Existenz noch nicht beschlossene Sache. Da ich aber mittlerweile nicht mehr im Besitz eines VHS-Abspielgerätes bin, bestellte ich mir den Film bei Exsila und erfreute mich über die digitalisierte Version dieses Thrillers! Der Film hat auch im Alter von 37 Jahren (in Menschenjahren umgerechnet sind das dann etwa deren 370) nichts von seiner Brillanz eingebüsst. French Connection ist ohne zu übertreiben der Ursprung des modernen Thrillers, ein cineastischer Meilenstein, welcher zu recht mit fünf Oscars ausgezeichnet wurde.

Kritik
Detective Jimmy Doyle (Gene Hackmann), auch „Popeye” genannt, ist aus menschlicher Sicht nicht der Traum der Schwiegermama, ein rassistisch angehauchter, zu Gewaltätigkeiten neigender Rüpel, der aber dank seiner unkonventionellen Methoden erfolgreich im Drogendezernat kleinere bis mittlere Gesetzesbrecher einbuchtet. Per Zufall gerät er mit seinem Partner Detective Buddy Russo (Roy Scheider) in einem Nachtklub an Salvatore Boca, den sie mehr aus einer Laune heraus observieren und dabei an den französischen Drogenboss Alain Charnier (Fernando Rey) geraten. Mit Abhöraktionen und Observationen kommen sie einem grossen Drogendeal auf die Spur, welcher in New York abgewickelt werden soll. Dabei verbeisst sich Doyle immer mehr in den Fall und legt sich auch mit dem ihm zugeteilten FBI-Agenten Mulderig (Bill Hickman) an. Als Charnier zusätzlich ein Attentat auf Doyle verübt, erklärt er den Fall zu seinem persönlichen Rachefeldzug und eine wilde, spektakuläre Hatz zwischen Doyle und Charnier beginnt, bis in einem actionreichen Finale das Drama unweigerlich seinen Lauf nimmt.

Regisseur William Friedkin hat mit French Connection einen spannungsgeladen, aber auch realistischen, harten und düsteren Thriller gedreht, welcher übrigens auf einer wahren Begebenheit beruht. Der Film setzt gleich mehrere Glanzpunkte: Zum einen werden die Observierungsaktionen ausführlich gezeigt und obwohl diese Szenen meistens ruhig verlaufen, sind sie sowohl dramaturgisch als auch visuell äusserst spannend umgesetzt. Das absolute Highlight des Filmes ist aber eine mehrminütige Verfolgungsjagd, bei der Doyle den Killer Nicoli, welcher sich in einer Hochbahn verschanzt hat, mit dem Auto verfolgt. Diese Szene wurde äusserst rasant und dramatisch umgesetzt und wenn man bedenkt, welche beschränkten filmische Mittel früher zur Verfügung standen und diese Verfolgungjagd bis heute praktisch ungeschlagen ist – da ziehe ich doch gerne Doyles Schlapphut für diese tolle Leistung ☺.
Und natürlich glänzen auch die Schauspieler mit intensivem Spiel, allen voran Gene Hackmann, welcher für die Rolle nur mit dem Oscar ausgezeichnet werden konnte und sich damit die Basis für viele weitere Charakterrollen legte. Für mich ist die Rolle des Jimmy Doyle durch Gene Hackmann eine der intensivsten und realistischsten Darstellung eines Filmcharakters in der langen Liste guter Darstellungen. Zuweilen wirken die anderen Schauspieler sogar etwas blass, das liegt aber wirklich nicht an deren schlechten Schauspielkunst, als vielmehr der brachialen und intensiven Ausstrahlung von Hackmann. Nur Fernando Rey als Alain Charnier mag da wirklich mithalten.

French Connection ist eigentlich eine Empfehlung für alle Exsila-Cineasten, für Fans von Gene Hackmann ist dieser Film sowieso ein Muss. Besonders angesprochen werden aber Exsilaner sein, die auf intensive Atmosphäre sowie spannende und dichte Erzählung setzen.

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