31 Januar 2007

Exsila-Filmkritik: The Game

Written by Pavona, offizieller Exsila-Engel

Es ist wieder an der Zeit, unser kalkuliertes Zufallspiel um die "Dust Catcher" zu lancieren. Also stelle ich mich vor das virtuelle DVD-Regal, fasse eine (un)bestimmte, verstaubte DVD-Hülle ins Auge und ziehe diese unter höchster Anspannung aus dem Regal...ein Spiel mit den Nerven...and the winner is...."The Game", ein Thriller von David Fincher mit Micheal Douglas und Sean Penn in den Hauptrollen.

Nicholas van Orton (Michael Douglas) ist ein höchst erfolgreicher und knallharter Investment-Banker und er schreckt auch nicht davor zurück, den langjährigen Geschäftspartner und Freund Anson Baer (Armin Müller-Stahl) seines verstorbenen Vaters dem Reichtum zu opfern. Für seinen Erfolg musste er aus menschlicher Sicht allerdings teuer bezahlen: Er ist arrogant, lieblos, ein richtigehend unsympathischer Zeitgenosse.

Vor seinem 48. Geburtstag taucht überraschend sein Bruder Conrad (Sean Penn) auf und schenkt ihm einen Gutschein für ein mysteriöses Spiel. Zögerlich lässt sich Nicholas auf "The Game" der Firma CRS ein und wird in einen Strudel von unkontrollierbaren Ereignissen gezogen, bald kann er die Realität von Fiktion nicht mehr unterscheiden und verliert immer mehr die Kontrolle über sein klar strukturiertes Leben. Seine unverarbeitete Vergangenheit über den Selbstmord seines Vaters spielt dabei eine tragende Rolle, wenn sich Paranoia und Realität abwechselnd die Klinke in die Hand drücken...bis Nicholas nur noch um sein nacktes Überleben kämpfen muss.

David Fincher ("Seven", "Fight Club") lässt in "The Game" die Zuschauer in die Haut von Nicholas van Orton schlüpfen, und auch wenn wir uns zu Beginn nur zögerlich mit der ungeliebten Person Van Orton identifizieren, so ändert sich dies im fortlaufenden Film kontinuierlich. Eine überraschende Wendung jagt die nächste bis wir nur noch nägelkauend vor dem Bildschirm sitzen und hoffen, der zuvor unsympathische Nicholas möge doch seinem Schicksal entrinnen.
Wie auch in vergangenen Filmen (z.B. "Wall Street") spielt Douglas auch hier einen von menschlichen Abgründen durchtränkten "Mistkerl". Die Rollen von Michael Douglas sind stets unvorhersehbar und vielschichtig, in der Vergangenheit haben seine Charaktere oft das Zeitliche gesegnet und gerade die Kombination Douglas/Fincher lässt uns einem höchst ungewissen Ende entgegenfiebern.

Kann man über die teilweise etwas, für mich übertrieben moralisierende Charakterentwicklung von Nicholas hinwegsehen, bietet uns "The Game" ein Filmvergnügen auf aussergewöhnlich hohem und spannendem Niveau. Wirklich fast im Minutentakt wechseln die einzelnen Charaktere die Seiten, nur Nicholas scheint in diesem Spiel aus Betrug, Täuschung und Mord die einzige Konstante zu sein. Sichtlich vergnügt spielt Fincher mit unserem Verstand und immer wenn wir sicher sind, die Fronten nun klar definiert zu haben, geisselt er uns mit einer neuen Wendung.

Auch der Humor kommt während der ganzen Hetzjagd nicht zu kurz, die ganz "Michael Douglas"-typisch zynischen und "furztrockenen" Sprüche lockern die Anspannung für einen ganz kurzen Moment und geben uns Luft zum Atmen bzw. Schmunzeln. So springt er z.B. mit Christine (Deborah Kara Unger) 10 Meter tief in einen Müllcontainer nur um beim Herausklettern einer Gruppe Chinesen vor einem Restaurant ein "Einen Tisch für zwei, bitte!" in die verdutzten Gesichter zu werfen.

"The Game" ist für alle Exsilaner gedacht, die sich wieder einmal zwei Stunden lang aussergewöhnlicher Spannung und Überraschungen aussetzen möchten. Eine spannende, wendungsreiche Story, tolle Schauspieler und ein Knaller-Finale machen diesen Film zu einem "paranoiden Leckerbissen".

Kommentare:

  1. Sehr gute Rezension.

    Der Film hat nur einen Fehler; wie "The Sixt Sense" man kann ihn nur genau einmal gucken ;-)

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  2. Hallo ceres

    Da gebe ich Dir vollkommen recht, ist wohl das Dilemma von Filmen mit überraschenden und wendungsreichen Geschichten: Sie haben die Lizenz "nur einmal wirklich spannend zu sein" ;-)...
    ...ausser man dreht wie Christopher Nolan einen genialen Film wie "Memento", den man auch nach 10 mal anschauen immer noch nicht ganz begriffen hat ;-).

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  3. Dank dem anonymen "Lober", ich gebe mir weiterhin Mühe ;-)

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  4. gute rezension.

    ceres: man kann den film gut mehrmals schauen. er lebt nicht nur davon, dass man nicht weiss, wie er ausgeht. mit deiner argumentation kann mann die wenigsten filme mehrmals schauen ... bei the sixth sense geb ich dir allerdings recht

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